Wettbewerb WA Jagdbergstraße
Wettbewerb WA Jagdbergstraße
Wettbewerb WA Jagdbergstraße
Projektinfos

Wettbewerb WA Jagdbergstraße

1. Platz

Ortsräumliche Situation

Das Baugrundstück liegt im Randbereich des Hauptsiedlungskörpers von Schnifis, in unmittelbarer Nähe zum Dorfzentrum. Der östlich vom Bauplatz gelegene Skilift und das angrenzende Waldgrundstück markieren einen lesbaren Übergang vom kompakten Dorfkern zum äußeren Siedlungsrand.

Die differenzierte Setzung der beiden Baukörper reagiert auf diese spezifische Situation. Der östliche Baukörper wird unmittelbar an die Jagdbergstraße gestellt. Der Straßenraum wird so nach Osten hin räumlich verdichtet, wodurch der Auftakt zum Dorfzentrum als Torsituation wahrnehmbar wird. Wie in historisch gewachsenen Dorfkernen trägt dies zu einer natürlichen Entschleunigung und erhöhten Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer bei.

Die versetzte Positionierung der beiden Baukörper berücksichtigt auch die südliche Nachbarbebauung, welche vor der Osthälfte des Grundstücks enger aneinandergebaut ist. Es ergeben sich somit gleichermaßen ausgewogene Freiräume vor den beiden Wohnbauten.

Die beiden Gebäude sind behutsam in das natürliche Gelände gesetzt. Durch die dem Geländeverlauf angepasste Höherentwicklung der Baukörper ergeben sich differenzierte Eingangsniveaus. Unterirdische Bauwerksteile treten kaum in Erscheinung

Außenanlagen und Parkierung

Durch die leicht abfallende Hanglage ist es möglich die Tiefgarage nahezu ebenerdig von der Jagdbergstraße aus zu erschließen. Die Einfahrt erfolgt daher ganz im Westen des Baugrundstücks. Durch den leichten Versatz des westlichen Baukörpers nach Süden, können auch die erforderlichen Schleppkurven und Sichtfenster eingehalten werden. Auch die Besucherparkplätze können so entlang der Jagdbergstraße angeordnet werden.

Zwischen den beiden Baukörpern spannt sich somit eine verkehrsfreie Platzsituation mit hoher Aufenthaltsqualität auf. Die Eingänge der beiden Häuser orientieren sich direkt auf diesen gemeinsamen Vorplatz. Auch der Fahrrad- und Müllraum ist direkt mittels platzsparenden Schiebetoren erschlossen. Ein gedeckter Sitzplatz mit Blick auf den großzügigen Kleinkinderspielplatz komplettiert diesen gemeinschaftlich genutzten Außenbereich.

Durch die minimierten Verkehrsflächen an der Gebäudenordseite können die Privatgärten großzügig und ungestört um die Gebäude herum angeordnet werden.

Innere Organisation

Das westliche Wohnhaus hat 7, das östliche 8 Wohneinheiten. Ein Aufzug ist nur im viergeschossigen Gebäudeteil vorgesehen. Dennoch können 12 von 15 Wohnungen barrierefrei erschlossen werden. Dies gilt auch für die zugeordneten Abstellräume und Parkplätze. Die drei nicht barrierefreien Wohnungen liegen lediglich zwei Geschoße über der Tiefgarage. Die Tiefgarage selbst bietet Platz für die 15 geforderten Stellplätze und einen Technikraum.

Auf den ersten beiden Etagen sind jeweils nordseitig die Kellerräume angeordnet. Somit können die attraktiven Wohnseiten bestmöglich für Aufenthaltsräume genutzt werden.

Die vier Gartenwohnungen verfügen über vorgelagerte Terrassen, während die oberirdischen Wohnungen über eingeschnittene Loggien mit hoher Privatsphäre verfügen. Durch den bewussten Verzicht auf vorstehende Balkone wird das schmale Grundstück nicht weiter eingeengt, und es ergeben sich attraktive Ausblicke auf die südwestlich sichtbaren Bergketten. Loggien und Wohnräume sind folglich überwiegend Südwest orientiert. Ganz im Osten gibt es auch zwei Südost orientierte Loggien mit einem zusätzlichen Gartenabgang.

Konstruktion und Material

Der vorgegebene Wohnungsmix und die Raumeinteilung sind eingehalten. Trotz der differenzierten vertikalen Organisation und der unterschiedlichen Wohnungstypen können Tragachsen und Schächte über alle Geschoße durchgehend ausgeführt werden.

Es wird vorgeschlagen die Treppenräume und die Kellerabteile, welche über der Tiefgarage liegen als thermischen Pufferraum auszubilden. Die südseitigen Wohnungen können daher relativ kompakt gedämmt und beheizt werden.

Für die beiden Hanggeschoße wird jeweils ein Betonbau mit vorgehängter Holzfassade vorgeschlagen. Die Loggien in den 1. Obergeschoßen lassen sich durch Reduktion der Deckenstärke von 25 auf 14cm problemlos noch unten dämmen. Für die beiden Obergeschoße wird auf Grund der geringen Spannweiten und der ökologischen Vorteile jeweils eine reine Holzkonstruktion vorgeschlagen.

Die Lüftung wird im Dachraum untergebracht. Die Verteilung erfolgt über vertikale Steigzonen direkt in die einzelnen Wohnungen.

Für die Fassade ist eine sägerauhe, vertikale Holzschalung angedacht, welche durch horizontale Leisten gegliedert wird. Die naturbelassene, zeitlose Fassade soll sich unaufgeregt in das Ortsbild einfügen.

Team
  • Projektleitung
    DI Thomas Fußenegger
  • Mitarbeit
    Daniela Miller MSc


  • Standort
    Schnifis (A)

    Wettbewerb
    2017

    Rechte
    Text Architekten Hermann Kaufmann
    Abbildung Architekten Hermann Kaufmann