IZM - Illwerke Zentrum Montafon, Vandans
IZM - Illwerke Zentrum Montafon, Vandans
IZM - Illwerke Zentrum Montafon
IZM - Illwerke Zentrum Montafon
IZM - Illwerke Zentrum Montafon
Projektinfos

IZM – Illwerke Zentrum Montafon, Vandans

Das Illwerke Zentrum Montafon (IZM) in Rodund ist das neue Verwaltungsgebäude des Vorarlberger Stromerzeugers und ein Holzbau der Superlative: Er war bei seiner Fertigstellung mit über 10.000 m² Nutzfläche das größte Bürogebäude aus Holz in Mitteleuropa. Die Holzkonstruktion über dem Betonsockel wurde in lediglich sechs Wochen zusammengefügt und bildet die erste Anwendung des LCT (Lifecycle Tower) auf dem freien Markt, das mit einer Holz-Beton-Verbunddecke einen Holzbau auch jenseits der Hochhausgrenze ermöglicht.

Den Grundbaustein bildet ein vorgefertigtes Rippendeckenelement im Verbund von Holz und Beton. Vier Leimbinder verbinden sich mit einer zierlichen Decke aus Beton, die auch die Köpfe der Balken umschließt. Das Grundmodul vereinfacht den Bauprozess: Der Brandschutz ist dank ausführlichen Versuchen zertifiziert und muss nicht mehr nachgewiesen werden, die statischen Eigenschaften sind bekannt und quantifiziert. Dank des Deckenelements in Hybridbauweise sind bedeutend größere Spannweiten bei geringen Querschnitten möglich. Der Beton auf der Oberseite bringt Masse in das Gebäude, verringert die Übertragung von Schall und dämpft die Schwingungen. Die Anschlussdetails sind so ausgelegt, dass sie die unterschiedlichen Toleranzen der einzelnen Gewerke aufnehmen – der Baumeister orientiert sich am Zentimeter, der Zimmermann arbeitet auf den Millimeter genau.

Mit dem LCT sind alle Voraussetzungen gegeben, den Holzbau bezüglich Größe und Ausbreitung in neue Dimensionen vordringen zu lassen. Der Entwurf ist auf die Stärken der modularen Bauweise und die Kapazitäten der lokalen Handwerksbetriebe ausgerichtet. Von Anfang an stand die Realisierung im Vordergrund – die Möglichkeiten des Hybridbaus sollten voll ausgeschöpft werden.

Eine Besonderheit des Systems ist, dass das Material nicht nur trägt, sondern auch sichtbar bleibt. Denn das Holz verschwindet nicht wie sonst üblich hinter Gipswänden und bildet dadurch einen Teil des Innenausbaus. Damit lassen sich Bauten im industriellen Maßstab mit der gleichen Sorgfalt und Wohnlichkeit herstellen wie die kleinen Preziosen, für die das Vorarlberg sonst berühmt ist.

Die Form des IZM ist durch zwei Vorgaben definiert: die statische Struktur des Bausystems mit den vorgefertigten Rippendecken und der Absicht, für alle 270 Arbeitsplätze vergleichbare Bedingungen zu schaffen. Damit war die Tiefe des Hauses begrenzt und in der Folge wuchs die Länge des Gebäudes auf 120 Meter an. Zudem war durch die Bauweise auch die Form definiert, denn die vorgefertigten Platten spielen ihre Vorteile am besten in einem kubischen Volumen aus. Der klar geschnittene Holzbau ließ sich daher nur auf dem Perimeter unterbringen, indem er über den Rand des Ausgleichsbecken hinaus auf die Wasserfläche geschoben wurde.

In dieser Position weist das Gebäude eine klare Trennung in zwei Seiten auf. Gegen Osten empfängt das Haus seine Gäste mit einer einladenden Geste: Das großzügig bemessene Vordach markiert den Eingang und ein Park schafft genügend Raum, um das Haus in seinen vollen Ausmaßen zu präsentieren. Die Fassade gliedert sich in Schichten aus Brüstungen, Fensterbänder und Vordächer. Die Länge wird zum Leitmotiv des Hauses.

Das Illwerke Zentrum zu entwerfen hieß die Ausführungsdetails, insbesondere die der Fassaden, akribisch zu definieren. Die Stützenpaare aus Leimschichtholz gliedern den Raum und die Fassade. Ihr Abstand ist definiert durch die Breite der Deckenelemente. Die Fensterelemente wurden separat auf die Baustelle geliefert und jeweils zwischen die Stützen eingebaut. Sie bestehen aus einer Festverglasung und einem Lüftungsflügel. Der feste Teil liegt bündig mit der Fassade, der Rahmen des beweglichen Flügels ist gegen innen versetzt. Eine Verblendung aus emailliertem Glas zwischen den Fensterelementen verdeckt die Stützen. Von innen ist der Rahmen um die Fixverglasung nicht zu sehen. An den Seiten schließt ihr Holzrahmen ohne Versatz an den Stützen an und auch im Sturz wird die Flucht der Decke nahtlos übernommen. Das Resultat ist verblüffend: Aus den Büros betrachtet löst sich die Fixverglasung nahezu auf und gibt den Blick auf die Landschaft frei.

Städtebau, Standort, Infrastrukturanbindung

In Rodund vermischen sich naturbelassene und vom Menschen geschaffene Landschaft: Das Tal ist knapp einen Kilometer breit und unmittelbar hinter dem Werkgelände ragen im Süden die Felsen in die Höhe. Die Illwerke prägen jedoch die Talsohle mit ihrem künstlich angelegten, dreiteiligen Ausgleichsbecken. Um Energie zu generieren, muss die Stromerzeugerin in die Landschaft eingreifen und diese umformen.

Die Landschaft bietet nicht nur die Grundlage, um Wasserkraft zu nutzen. Sie prägt mit ihren Bedingungen auch die Architektur. In den Tälern der Alpen mit den steilen und dicht bewaldeten Hängen war Holz lange Zeit der einzige Baustoff. Daraus ist eine eigene Tradition im Holzbau entstanden, die heute noch nachwirkt.

Am Ausgleichsbecken von Rodund gelegen, lotet das neue Illwerke Zentrum die Grenze zwischen Natur und Künstlichkeit aus und sucht ein Gleichgewicht zwischen diesen beiden Polen. In einer eindrücklichen alpinen Szenerie gelegen, schafft der Neubau Platz für einen Park, indem er sich an die bestehenden Gebäude der Rodundwerke heranrückt und mit seiner 120 Meter langen Fassade eine klare Grenze definiert. Es entsteht dadurch eine Gründfläche, die in der Enge des Tals zusammen mit dem Ausgleichsbecken sehr großzügig wirkt. Der Park öffnet sich für die Dimensionen der Landschaft und bezieht sich gleichzeitig auf die Künstlichkeit des Ausgleichsbeckens: Ein Stück vom Menschen entworfene Natur in dieser Landschaft, deren Gestalt von Plattentektonik, Gletschern und Flüssen geformt ist.

Energietechnische Qualität und Nachhaltigkeit

In der Betrachtung über den Lebenszyklus hinweg bildet der Holzbau für eine umweltschonende Bauweise die Konstruktion der Wahl. Doch das Bauen mit Holz fordert von den Planern viel Wissen über Material und Konstruktionen, von den Herstellern ein hohes Maß an handwerklichem Können. Da dieses Wissen häufig nur regional verfügbar ist, verhindern diese Faktoren, dass sich das Baumaterial weit verbreitet. Zusätzlich beschränken Vorgaben zum Brandschutz die Größe und Höhe von Gebäuden aus Holz. Mit aufwendigen Brandversuchen muss im Einzelfall nachgewiesen werden, ob sich Material und Konstruktion für die Aufgabe eignen – was weder für die Planer noch für die Industrie zu stemmen ist. In der Folge beschränkt sich der Holzbau meistens auf kleine, maßgeschneiderte Einzelanfertigungen und sein klimaschonendes Potential kann in der Breite nicht genutzt werden. Dieses Einschränkungen aufzuheben, ist erklärtes Ziel des LCT-Bausystems.

Der Primärenergieverbrauch liegt unter 30 kWh/m²/Jahr, der Passivhausstandard gewährleistet einen Heizwärmebedarf von 14 kWh/m²/Jahr. Dieser wird vollständig durch das Abwärmesystem des Rodundwerkes gedeckt, über ein Wärmepumpensystem auch der Kühlbedarf.

Soziale Qualität

Mit dem neuen Zentrum haben die Illwerke ein Bekenntnis für die Region abgelegt, denn die Produktion von Strom ist neben dem Tourismus der größte Arbeitgeber im Tal. Mit dem neuen Zentrum schafft der Konzern die Basis für zukünftige Generationen. Er bietet jungen Leuten eine Perspektive im Tal und trägt dazu bei, dass diese nicht in die Städte abwandern.

Der Umzug an einen neuen Standort war mit vielen Wechseln für die Belegschaft verbunden: Ein neuer Arbeitsort, der Verzicht auf Gewohnheiten, Status und Einzelbüros. Der Neubau brachte nicht nur viel Ungewissheit – mit ihm veränderte sich auch die Betriebskultur. Um die Belegschaft von einem Neubau zu überzeugen, war diese mit einer Delegation von Beginn an in die Planung involviert.

Der hohe baukulturelle Anspruch schloß auch fünf Arbeiten für die Kunst am Bau für dieses Projekt mit ein. Dank dem Besucherzentrum im Erdgeschoss ist das neue Illwerke Zentrum auch zugänglich für die Öffentlichkeit.

Bauherr
Vorarlberger Illwerke AG, Bregenz

Standort
Vandans

Fertigstellung
2013

Projektdaten
NGF 9.900 m², BGF 11.497 m²,
BRI 44.881 m³
Energie Passivhaus

Projektphasen
Wettbewerb IZM Illwerke Zentrum Montafon
IZM – Illwerke Zentrum Montafon, Vandans
Infowürfel, Silvrettastausee – Kopswerk – Lünersee

Rechte
Text Marko Sauer
Foto Bruno Klomfar, Norman Radon

Dokumente
Datenblatt | Pläne
Projektdetails
Publik
    Auszeichnungen
  • Staatspreis Architektur und Nachhaltigkeit 2014
    2014 (Nominierung)
  • Hypo Bauherrenpreis
    2015 (1. Preis)
  • Holzbaupreis Vorarlberg
    2015 (Preis Holzmischbauweise)
  • Constructive Alps 2015
    2015 (Anerkennungspreis)
  • MaterialPREIS 2015
    2015 (1. Auszeichnung)
  • Hypo Bauherrenpreis
    2015 (1. Preis)
  • Europäischer Architekturpreis 2015 Energie + Architektur
    2016 (Auszeichnung)
    Publikationen
  • IZM Illwerke Zentrum Montafon
    ZN Z-253, Mikado, Okt. 2013, S. 12-20
  • IZM – Moderner Holzbau in klassischer Architektur
    ZN Z-256, Wilhelm Lennartz, Bauen mit Holz, 11/2013, S.9-12
  • IZM – Bürohaus der Extraklasse
    ZN Z-259, Michael Reitberger, Holzbau Austria, 08/2013, S. 8-13
  • Ressource Baukultur
    ZN Z-262, Florian Aicher, Leben & Wohnen, VN-Beilage, Dez. 2013, S. 4-7
  • IZM – Energieeffizienz als Unternehmenshaltung
    ZN B-067, Jörg Pfäffinger, Schweizer Energiefachbuch 2014
  • Holz streckt sich – IZM Illwerke Zentrum Montafon
    ZN Z-263, Christina Vogt, Lignardo 01/2014, S.40-47
  • IZM – Neue Wege beschreiten: architektonisch, strukturell, kulturell
    ZN Z-264, Marc Wilhelm Lennartz, greenbuilding, 01-02/2014, S.28-33
  • Steckprinzip für die Baustelle
    ZN Z-265, Angela Trinkert, Der Zimmermann, 02/2014, S. 17-20
  • IZM Illwerke Zentrum Montafon
    ZN Z-266, Marc Wilhelm Lennartz, Baumeister, Mai 2014, S. 36-44
  • Illerke Zentrum Montafon
    ZN Z-268, Eva Guttmann, Zuschnitt 54, S.8-9
  • IZM Illwerke Zentrum Montafon
    ZN Z-272, AIT 4.2014, S. 114-119
  • Illwerke Zentrum Vandans – Synergien im Verbund
    ZN Z-275, Britta Rohlfing, GRID by Detail, 03/2014, S. 18-23
  • Illwerke Zentrum Montafon
    ZN Z-276, Camilla Schlyter, TRÄ, 03/2014, S. 18-24
  • IZM -Neue Dimensionen im industriellen Holzbau
    ZN Z-281, Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit 2014, S. 32-33
  • IZM – Vorfertigung auf neuem Niveau
    ZN Z-282, TEC21, Schweizerische Holzbauzeitung, 12/2014, S. 22-27
  • IZM – modulare Hybridbauweise
    ZN Z-283, Baukultur Zeitschrift des DAI, 06/2014, S. 14-15
  • Holzbauweise für Büros – IZM
    ZN Z-289, Wolfgang Huß, TUM, industrieBau 01/2015, S. 36-39
  • IZM Illwerke Zentrum Montafon
    ZN Z-292, Industrie- und Gewerbebauten 2015, 03/2015, S.71-78
  • IZM – Illwerke Zentrum Montafon
    ZN Z-293, D´architectures 233, März 2015, S.68-75
  • IZM – Individualität aus dem Baukasten
    ZN B-071, Marko Sauer, Holzbauten der Moderne, Ausstellungskatalo, 2015, S. 52-59
  • IZM Illwerke Zentrum Montafon
    ZN Z-305, Christian Schittich, Detail 12/2015, S. 1234-1236
  • IZM – Hoch hinaus mit Holz
    ZN Z-311, ADLER Prospekt 02/2015, S.16-21
  • IZM Illwerke Zentrum Montafon – Mit System in die Länge gebaut
    ZN Z-335, Christine Ryll, DBZ Deutsche Bauzeitung 10/2016, S. 28-35
  • IZM Illwerke Zentrum Montafon
    ZN B-073, Best of Austria 2014_15, S. 156